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Aktuelle Version - Ausgabe VIII
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Der Optimismus unter den europäischen Top-Managern ist zurückgegangen: Vertreter der führenden europäischen Unternehmen melden für das vergangene Jahr Unternehmensergebnisse, die die Erwartungen deutlich unterschritten haben. Es ist daher nicht erstaunlich, daß auch die Prognosen für die Zukunft sehr zurückhaltend ausfallen.

Trotz der vor einem Jahr beschlossenen Euro-Einführung und den damit verbundenen Vorteilen für die Wirtschaft bezweifeln die Führungskräfte, daß sich die neue Währung bereits kurzfristig positiv auf die finanzielle Lage ihrer Unternehmen auswirken wird. Langfristig räumen sie der neuen Währung jedoch gute Chancen ein. Die Mehrheit der Führungskräfte geht sogar davon aus, daß der Euro den US-Dollar als internationale Reservewährung herausfordern wird.

Europas Top-Manager sind überzeugt, daß das weltweite Wirtschaftsklima den größten Einfluß auf die Entwicklung ihrer Unternehmen haben wird. Gleichzeitig meinen die meisten aber, daß sich die Krisen in Asien, Rußland und Brasilien nur in einem geringen Maße auswirken werden. In der diesjährigen Befragung bestätigte sich die sinkende Bedeutung Asiens für Europa: Die meisten europäischen Führungskräfte blicken wieder verstärkt nach Westeuropa.

EURO FORDERT US-DOLLAR ALS WELTWIRTSCHAFTSWÄHRUNG HERAUS

Die Ergebnisse der Befragung, die nur wenige Wochen vor dem Start des Euro ermittelt wurden, zeigen, daß nur 44 Prozent der Führungskräfte damit rechnen, von der Einführung der neuen Währung bereits in den kommenden zwölf Monaten zu profitieren. In den beiden letzten Jahren waren noch zwei Drittel der Top-Manager davon ausgegangen, daß die Europäische Währungsunion ihrem Unternehmen nutzen werde. Bemerkenswert ist, daß heute die gleiche Anzahl von Führungskräften glaubt, der Euro werde den US-Dollar als internationale Reservewährung ersetzen. Es überrascht kaum, daß die Briten dem Euro gegenüber besonders negativ eingestellt sind, während die Belgier der neuen Währung das größte Vertrauen entgegenbringen. In Belgien rechnen sogar über 51 Prozent der Befragten damit, daß der Euro den US-Dollar bereits im Laufe der nächsten zehn Jahre als wichtigste internationale Währung ablösen wird.

DEUTLICHER LEISTUNGSRÜCKGANG UND SINKENDER OPTIMISMUS BEI DEN FÜHRENDEN EUROPÄISCHEN UNTERNEHMEN

Die optimistischen Erwartungen, die die europäischen Top-Unternehmen im letzten Jahr hinsichtlich der wirtschaftlichen Aussichten geäußert hatten, sind nicht erfüllt worden. Nur netto 30 Prozent der Befragten (d.h. "besser" minus "schlechter") meldeten eine tatsächliche Verbesserung ihres Geschäfts. Zum Vergleich: Fast doppelt so viele (netto 57 Prozent) hatten für die zurückliegenden zwölf Monate einen Aufschwung prognostiziert. Im Vorjahr hatten allerdings auch noch 51 Prozent der befragten Unternehmen berichtet, die Lage ihres Unternehmens habe sich tatsächlich verbessert. In diesem Zusammenhang kann es kaum überraschen, daß auch für die nächsten zwölf Monate der Netto-Optimismus deutlich gesunken ist und nur noch bei 31 Prozent liegt. Allerdings sind deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern zu beobachten. So meldet in diesem Jahr Großbritannien die schlechtesten realen Unternehmensergebnisse und löst damit Frankreich ab; Deutschland ersetzt Frankreich als das Land mit den schlechtesten Wachstumserwartungen. Ein weiteres wichtiges Ergebnis der diesjährigen Untersuchung ist der Aufschwung der spanischen Unternehmen, die die besten Ergebnisse und die größten Erwartungen vorweisen. Und auch Europas Top-Manager insgesamt gehen davon aus, daß Spanien in den nächsten drei Jahren das größte Wirtschaftswachstum verzeichnen wird.

DÜSTERE ERWARTUNGEN FÜR DIE BESCHÄFTIGUNGSENTWICKLUNG IN EUROPÄISCHEN TOP-UNTERNEHMEN

Die nachhaltige Verschlechterung der Unternehmensergebnisse und -prognosen spiegelt sich auch in dem erwarteten Rückgang der Beschäftigtenzahlen wider. Zum sechsten Mal in Folge gehen Europas Führungskräfte von einem Abbau der Arbeitsplätze in ihren Unternehmen aus. Sogar Großbritannien meldet, zum ersten Mal seit drei Jahren, einen alarmierenden Umschwung zu massiven Entlassungen. Nur die Niederlande und Spanien geben in diesem Jahr Anlaß zu Hoffnung. In diesen Ländern geht man davon aus, daß sich die Anzahl der Beschäftigten leicht erhöhen wird.

STARKES VERTRAUEN IN DEUTSCHE UNTERNEHMEN

Während die deutschen Unternehmen selbst hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung sehr skeptisch sind, gehen Europas Führungskräfte insgesamt davon aus, daß Deutschland erneut das größte Exportwachstum und die niedrigste Inflationsrate verzeichnen wird. Auch bezüglich der Arbeitsmethoden nimmt Deutschland eine klare Favoritenrolle ein. Nach Meinung der europäischen Top-Manager verfügt das Land über die dynamischsten Führungskräfte, reinvestiert am ehesten die erzielten Gewinne, verfügt über die meisten Schlüsseltechnologien und orientiert sich am ehesten an den Bedürfnissen von Kunden und Beschäftigten. Bei diesem positiven Image ist es nicht erstaunlich, daß die meisten Befragten glauben, es sei am leichtesten, mit deutschen Unternehmen Geschäfte zu tätigen.

WESTEUROPA GEWINNT AN BEDEUTUNG, ASIEN WENIGER IM RAMPENLICHT

Die europäischen Top-Unternehmen gehen davon aus, daß die weltweite wirtschaftliche Situation den größten Einfluß auf die Geschäftsergebnisse haben wird. Allerdings glauben sie nicht, daß sich die Krisen in Asien, Rußland und Brasilien nachhaltig auf die Unternehmensergebnisse in den nächsten zwölf Monaten auswirken werden. Insgesamt hat sich die Einschätzung des Wirtschaftspotentials Asiens deutlich verändert. Noch vor drei Jahren war eine überwältigende Mehrheit der europäischen Manager der Auffassung, daß ein Großteil der Unternehmensergebnisse im frühen 21. Jahrhundert in Asien und Westeuropa erzielt werde. Inzwischen sind die Erwartungen an Asien eindeutig zurückgegangen. 1995 waren noch 31 Prozent der Top-Manager der Überzeugung, Asien werde die wichtigste Wirtschaftsregion für ihr Unternehmen werden. Heute sind es nur noch sechs Prozent. Die Mehrheit der europäischen Top-Manager ist mittlerweile der Auffassung, Westeuropa sei die Wachstumsregion der Zukunft.

ELEKTRONISCHE KOMMUNIKATIONSTECHNOLOGIEN GEWINNEN AN BEDEUTUNG

Europäische Führungskräfte nutzen Kommunikationstechnologien verstärkt, die Mehrheit surft sogar selbst im Internet. Das sind deutlich mehr als noch vor einem Jahr. Die Nutzung von E-Mail übertrifft inzwischen sogar den Einsatz von Mobiltelefonen. Fast alle Unternehmen sind im Internet präsent und nutzen es unter anderem für ihre Marketing- und Werbeaktivitäten oder als Informationsquelle. Ein verstärkter Einsatz von E-Commerce ist noch nicht zu verzeichnen. Der Hauptgrund hierfür scheint die mangelnde Kundennachfrage zu sein.

Bezüglich der verschiedenen Auswirkungen des "Jahr-2000-Problems" machen sich die europäischen Top-Manager ganz unterschiedliche Sorgen: Während die meisten Deutschen glauben, die Datumsumstellung werde sich überhaupt nicht bemerkbar machen, befürchten 90 Prozent ihrer britischen Kollegen Auswirkungen im Zusammenhang mit Reisen.

ARBEITSMETHODEN DER ZUKUNFT

In allen befragten Ländern werden flexiblere Arbeitszeiten in den nächsten fünf Jahren wahrscheinlich stark an Bedeutung gewinnen. Die Führungskräfte in Großbritannien favorisieren einen Casual Dress Day und Home Working, während die Niederländer Wert auf die Kinderbetreuung legen. Eine beträchtliche Anzahl französischer Top-Manager spricht sich für die Vier-Tage-Woche aus. Als die beiden Schlüsselqualifikationen für einen erfolgreichen Spitzenmanager werden Motivationsfähigkeit und Kreativität angesehen. Außerhalb des Büros besprechen die meisten europäischen Führungskräfte geschäftliche Fragen mit ihren wichtigsten Kunden beim Mittagessen. Nur in Italien trifft man sich lieber beim Abendessen oder beim Frühstück.

 


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